Rehabilitationsprogramm für Patienten nach Verletzungen
Verkehrsunfälle oder Verletzungen sind Hauptursachen, die Patienten in allen Bereichen beeinträchtigen — körperlich, psychisch sowie sozial und wirtschaftlich. Manche Patienten müssen im Krankenhaus bleiben oder verlieren Teile ihrer körperlichen Fähigkeiten oder von Organfunktionen, weshalb eine richtige Versorgung und Rehabilitation notwendig ist. Das Rehabilitationsprogramm für Patienten nach Verletzungen (Traumatic Rehabilitation) ist daher ein zentraler Faktor, der den Genesungsprozess beschleunigt und die Liegedauer im Krankenhaus (Length of Stay) verkürzen kann. Dies erfolgt durch Fachpersonal wie Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Psychologen und weitere interdisziplinäre Berufsgruppen, die die Patienten beurteilen und individuelle Rehabilitationspläne erstellen. Dabei wird Wert auf die Einbeziehung von Patienten und Angehörigen bei der Festlegung von Zielen und Rehabilitationsprozessen gelegt, um den größtmöglichen Behandlungserfolg zu erreichen.
Rehabilitation in der posttraumatischen Phase
Die Rehabilitation nach einem Unfall oder einer Verletzung wird entsprechend dem Schweregrad der Beschwerden des Patienten in Phasen unterteilt, wie folgt:
- Rehabilitation von Patienten in der kritischen Phase (Critical Care Unit)
Patienten in dieser Phase haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen in verschiedenen Körpersystemen, z. B. Atemwegsinfektionen durch Intubation, Sekretretention, verminderte Funktion von Atemwegen und Lunge, muskuläre Schwäche infolge von Verletzung und längerer Bettlägerigkeit sowie das Risiko von venösen Thrombosen usw.- Das Hauptziel der Rehabilitation in dieser Phase ist es daher, Komplikationen zu verhindern und die Patienten so schnell wie möglich zur Eigenbewegung zu befähigen. Das Rehabilitationsprogramm umfasst:
- Thorakale Physiotherapie (Chest Physical Therapy), die bei der Sekretmobilisation durch physiotherapeutische Maßnahmen wie Lagerung zur Sekretableitung, Vibrations- und Klopftechniken, Hustenübungen und Absaugunterstützung hilft.
- Atem- und Muskeltraining, das eine richtige Atemtechnik fördert, damit Patienten effektiv selbständig atmen können.
- Schmerzbehandlung (Pain Management)
Neben medikamentöser Behandlung bei muskuloskeletalen oder neuropathischen Schmerzen kann die Physiotherapie folgende Techniken und Geräte zur Schmerzlinderung einsetzen:- Atem- und Entspannungsübungen
- Anwendung von Elektrostimulation zur Schmerzreduktion
- Anwendung von Warm- oder Kaltkompressen zur Verringerung von Schmerzen und Muskelverspannungen
- medizinische Massagen zur Schmerzlinderung und Entspannung
- Training von Muskelkraft und Mobilität im Bett (Bed Mobility and Activity Daily Life Training)
Bei stabilen Patienten fördert eine frühzeitige Mobilisierung die Funktion verschiedener Systeme und beschleunigt die Genesung. Physiotherapeuten geben Empfehlungen für geeignetes Bett- und Beweglichkeitstraining, z. B.:- Übungen für Arme und Beine
- Seitliche Drehung/Umlegen
- Mobilisation im Bett (Gleitbewegungen)
- richtiges Positionswechseln im Liegen
- Förderung von Aufstehen, Sitzen, Stehen und Gehen
Sobald der Patient dazu bereit ist, sollte er motiviert werden, innerhalb des Patientenzimmers aufzustehen, sich zu setzen, zu stehen und zu gehen, um die körperliche Reaktion auf Aktivitäten zu beurteilen und den Patienten auf die Verlegung in eine normale Station vorzubereiten. - Schluckuntersuchung
Ergotherapeuten führen eine Beurteilung der Schluckfähigkeit durch, um sicherzustellen, dass der Patient normal essen kann — insbesondere bei Patienten mit Hirntrauma und solchen, die längere Zeit intubiert oder ernährt wurden und dadurch eine Schwäche der schluckrelevanten Muskulatur entwickelt haben. - Beurteilung von Wahrnehmung und Kognition
Da Patienten mit Hirnverletzungen oder schwer kranke Patienten, die lange auf einer Intensivstation behandelt werden, ein Risiko für Veränderungen in Wahrnehmung und Kognition haben, führen Ergotherapeuten entsprechende Bewertungen durch, um individuelle Trainingspläne zu erstellen und Empfehlungen zur Rehabilitation zu geben.

Rehabilitation in der Erholungsphase
In der Erholungsphase werden die Patienten vermehrt zur Bewegung und zum Üben alltäglicher Aktivitäten angeregt. Der Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin und der Physiotherapeut beurteilen die funktionellen Fähigkeiten und Beschwerden des Patienten und legen einen Trainingsplan mit vermehrter körperlicher Aktivität fest, z. B. vermehrtes Gehen, Fahrradtraining, Gleichgewichtsübungen usw.
Vorbereitung vor der Rückkehr nach Hause
Während des Krankenhausaufenthalts erhalten Patienten und Angehörige von einem interdisziplinären Team Anleitungen zur Vorbereitung auf die Entlassung (Discharge Planning). Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, alltägliche Aktivitäten zu üben, die richtige Selbstfürsorge zu erlernen sowie Anpassungen der häuslichen Umgebung vorzubereiten und geeignete Hilfsmittel entsprechend dem Fähigkeitsniveau des jeweiligen Patienten bereitzustellen.
Anpassung der häuslichen Umgebung
Die Anpassung der häuslichen Umgebung und der Wohnverhältnisse (Safety in the house), um den Alltag der Patienten zu erleichtern, ist notwendig, damit Patienten ihre täglichen Aktivitäten angemessen wieder aufnehmen können. Daher erhalten Patienten und Angehörige vor der Entlassung Empfehlungen zur Anpassung der Wohnumgebung und der häuslichen Hilfsmittel entsprechend dem Fähigkeitsniveau des Patienten.