Plötzliches Verschwommensehen oder eine rasch abnehmende Sehschärfe sind Symptome, die nicht ignoriert werden sollten, da die Ursachen von Störungen der Hornhaut, des Glaskörpers, der Netzhaut und des Sehnervs bis hin zu Erkrankungen des Gehirns und der Blutgefäße reichen können. Einige Ursachen erfordern eine umgehende Abklärung und Behandlung, um die Chance zu erhöhen, das Sehvermögen zu erhalten, und um Komplikationen zu verhindern, die lebensbedrohlich sein können. Auch wenn sich die Beschwerden bessern oder das Sehen wieder normal erscheint, sollte eine ärztliche Abklärung zur Ursachenfindung erfolgen.
Was ist plötzliches Verschwommensehen?
Plötzliches Verschwommensehen ist ein Zustand, bei dem das Sehvermögen rasch abnimmt. Es kann sofort innerhalb weniger Sekunden oder Minuten auftreten oder sich innerhalb weniger Stunden bis zu 1–2 Tagen deutlich verändern. Es kann ein Auge oder beide Augen betreffen, vorübergehend oder anhaltend sein. Betroffene können bemerken, dass das Bild unscharf wird, die Sehschärfe abnimmt oder sie nicht sehen können, dass Teile des Bildes fehlen, ein „Vorhang“ oder dunkler Schatten das Sehen verdeckt, Lichtblitze auftreten, viele schwarze Punkte („Mouches volantes“) zu sehen sind oder das Bild verzerrt wirkt. Zusätzlich können Rötung des Auges, Augenschmerzen oder neurologische Begleitsymptome auftreten.

Wodurch wird plötzliches Verschwommensehen verursacht?
- Störungen der Hornhaut und des vorderen Augenabschnitts wie Hornhautabschürfung, Hornhautinfektion (insbesondere bei Kontaktlinsenträgern) oder eine Entzündung im Augeninneren. Dies kann zu Verschwommensehen zusammen mit Augenschmerzen, gerötetem Auge, Lichtempfindlichkeit oder Tränenfluss führen.
- Störungen des Glaskörpers: Eine Glaskörperblutung (Vitreous Hemorrhage) kann zu einem akuten Sehschärfeverlust führen, mit vielen schwarzen Punkten, wie Rauch oder spinnennetzartige Schlieren, die das Sehen verdecken. Dies findet sich u. a. bei diabetischer Retinopathie, Netzhautriss oder bestimmten Erkrankungen der Netzhautgefäße.
- Störungen der Netzhaut: Mehrere Netzhauterkrankungen können das Sehvermögen plötzlich vermindern, darunter:
- Netzhautriss oder Netzhautablösung (Retinal Tear or Retinal Detachment): Es kann mit Lichtblitzen beginnen, mit zunehmenden „Floatern“ oder mit einem Vorhang bzw. dunklen Schatten im Gesichtsfeld. Wenn sich die Ablösung auf die Stelle des schärfsten Sehens ausbreitet, nimmt das zentrale Sehen ab.
- Verschluss der Netzhautarterie (Retinal Artery Occlusion): Führt zu einem akuten, meist schmerzlosen Sehverlust auf einem Auge. Dies ist ein Notfall, der sofort sowohl augenärztlich als auch hinsichtlich des Schlaganfallrisikos abgeklärt werden muss.
- Verschluss der Netzhautvene (Retinal Vein Occlusion): Führt zu einem akuten oder subakuten, meist schmerzlosen Sehverlust. Die Schwere hängt von der Verschlussstelle und der Schwellung der Makula ab.
- Blutung in der Netzhaut oder unter der Netzhaut: Tritt sie im Bereich der Makula auf, können Betroffene zentral unscharf sehen, Verzerrungen wahrnehmen oder einen Ausfall im zentralen Bild bemerken.
- Störungen des Sehnervs wie eine Sehnervenentzündung (Optic Neuritis), die beim Bewegen des Auges schmerzen kann, oder eine ischämische Optikusneuropathie (Ischemic Optic Neuropathy), die häufig zu einem raschen Sehverlust und möglicherweise zu Gesichtsfeldausfällen führt.
- Akutes Winkelblockglaukom (Acute Angle – Closure Glaucoma): Entsteht durch einen raschen Anstieg des Augeninnendrucks. Es können Verschwommensehen, starke Augenschmerzen, Rötung, Lichthöfe um Lichtquellen, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen auftreten. Dies ist ein Notfall, der schnell behandelt werden muss.
- Störungen des Gehirns und der Sehbahn wie ein Schlaganfall, der dazu führen kann, dass Teile des Bildes fehlen, auf einer Seite nicht gesehen wird oder Gesichtsfeldausfälle auftreten. Begleitend können Gesichtslähmung, Schwäche oder Taubheit der Extremitäten, verwaschene Sprache oder Gangunsicherheit auftreten.
Symptome bei plötzlichem Verschwommensehen beobachten
- Lichtblitze zusammen mit rasch zunehmenden „Floatern“ (schwarzen Punkten)
- Ein dunkler Vorhang oder Schatten verdeckt das Sehen
- Verschwommensehen zusammen mit Augenschmerzen, gerötetem Auge, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen
- Verschwommensehen zusammen mit Schwäche der Arme/Beine, verwaschener Sprache, Gangunsicherheit oder schiefem Gesicht
- Ausgefallene Bildbereiche oder fehlende Teile des Sehens
- Vorübergehender Sehverlust, auch wenn das Sehen wieder normal ist

Bei welcher Art von plötzlichem Verschwommensehen sollte man sofort zum Arzt?
- Plötzliche oder rasche Abnahme des Sehvermögens
- Deutliches Verschwommensehen auf einem Auge oder vorübergehendes Nichtsehen
- Starke Augenschmerzen, gerötetes Auge, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen
- Neurologische Begleitsymptome wie schiefes Gesicht, Schwäche oder Taubheit der Arme/Beine, verwaschene Sprache, Gangunsicherheit oder plötzlich starke Kopfschmerzen
Wenn das Sehvermögen akut abnimmt, insbesondere bei den oben genannten Symptomen, sollte man sofort ins Krankenhaus gehen. Man sollte nicht abwarten und nicht selbst Auto fahren, da bei manchen Ursachen ein entscheidendes Zeitfenster für Diagnose und Behandlung besteht.

Diagnostik bei plötzlichem Verschwommensehen
- Ausführliche Anamnese z. B. seit wann die Beschwerden bestehen, ob ein Auge oder beide Augen betroffen sind, ob es plötzlich oder schleichend begonnen hat, ob Augenschmerzen, Lichtblitze, „Floater“ oder neurologische Begleitsymptome vorliegen, sowie Vorerkrankungen, eingenommene Medikamente, Kontaktlinsentragen, Unfälle und Augenoperationen.
- Untersuchung der Sehschärfe und der Sehnervenfunktion z. B. Messung der Sehschärfe, Pupillenprüfung, Farbsehen und Gesichtsfeld.
- Untersuchung des vorderen Augenabschnitts und Messung des Augeninnendrucks, um Hornhaut, Vorderkammer, Iris, Linse, Entzündung und ein akutes Winkelblockglaukom zu beurteilen.
- Untersuchung von Glaskörper, Netzhaut und Papille nach pupillenerweiternden Tropfen, um Glaskörperblutung, Netzhautriss, Netzhautablösung, Gefäßverschlüsse der Netzhaut oder Auffälligkeiten der Papille zu erkennen.
- Zusatzuntersuchungen nach Indikation z. B. OCT, Netzhautfotografie, Ultraschall des Augapfels, Fluoreszenzangiografie der Netzhautgefäße oder Gesichtsfelduntersuchung.
- Abklärung systemischer und neurologischer Erkrankungen bei Verdacht z. B. Blutuntersuchungen, EKG, Gefäßdiagnostik oder CT/MRT des Gehirns, in Zusammenarbeit mit Notfallmedizin, Innerer Medizin oder Neurologie je nach Bedarf.
Behandlung von plötzlichem Verschwommensehen
Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Dringlichkeit. Der Augenarzt kann eine oder mehrere Methoden in Kombination erwägen, darunter:
- Augentropfen, orale Medikamente oder intravenöse Medikamente zur Behandlung von Infektionen, Entzündungen oder zur Senkung des Augeninnendrucks je nach Ursache
- Laserbehandlung oder Operation in dringlichen Situationen wie Netzhautriss, Netzhautablösung, bestimmten Fällen von Glaskörperblutung oder akutem Winkelblockglaukom
- Injektion in den Glaskörper (Intravitreal Injection) bei bestimmten Netzhauterkrankungen nach Indikation
- Überweisung zur dringlichen Abklärung eines Schlaganfalls oder systemischer Erkrankungen, wenn ein Verschluss der Netzhautarterie, vorübergehender Sehverlust oder neurologische Begleitsymptome vermutet werden
- Kontrolle von Risikofaktoren und Grunderkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und Herzrhythmusstörungen, um das Risiko für Wiederauftreten und Komplikationen zu senken
Risiko für plötzliches Verschwommensehen reduzieren
- Grunderkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Blutfette gemäß ärztlicher Empfehlung kontrollieren
- Rauchen vermeiden und die Herz-Kreislauf-Gesundheit fördern
- Augenuntersuchungen entsprechend Alter, Risikofaktoren und Empfehlung des Augenarztes durchführen lassen, insbesondere bei Diabetes, starker Kurzsichtigkeit, nach Augenoperationen oder bei Vorgeschichte von Netzhauterkrankungen
- Kontaktlinsen hygienisch korrekt verwenden, nicht damit schlafen (außer bei vom Arzt empfohlenem Typ) und Kontaktlinsen nicht mit Wasser in Berührung bringen
- Schutzbrille tragen bei handwerklichen Tätigkeiten, Gartenarbeit oder Aktivitäten mit erhöhtem Risiko für Augenverletzungen
- Bei Lichtblitzen, zunehmenden „Floatern“, dunklem Vorhang vor dem Auge oder rascher Sehverschlechterung sofort einen Augenarzt aufsuchen
Einige Ursachen für plötzliches Verschwommensehen lassen sich nicht vollständig verhindern. Das Erkennen von Warnsignalen und eine schnelle Untersuchung sind daher wichtig, um das Sehvermögen zu erhalten.
Häufig gestellte Fragen
F: Muss man bei plötzlichem Verschwommensehen sofort einen Augenarzt aufsuchen?
A: Plötzliches Verschwommensehen sollte möglichst rasch abgeklärt werden, insbesondere wenn die Sehschärfe stark abnimmt, Lichtblitze auftreten, „Floater“ rasch zunehmen, ein dunkler Vorhang das Sehen verdeckt, starke Augenschmerzen, Augenrötung oder neurologische Begleitsymptome bestehen. Man sollte sofort ins Krankenhaus gehen, da Abwarten die Behandlungschance verringern kann.
F: Bedeutet plötzliches Verschwommensehen ohne Augenschmerzen wirklich, dass es nicht gefährlich ist?
A: Nein. Viele schwere Erkrankungen verursachen keine Augenschmerzen, z. B. Netzhautablösung, Verschluss der Netzhautarterie oder Verschluss der Netzhautvene. Daher sollte bei einem akuten Sehverlust auch ohne Schmerzen schnell eine Untersuchung erfolgen.

F: Muss bei plötzlichem Verschwommensehen bei Diabetes besonders aufgepasst werden?
A: Ja. Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Glaskörperblutung, Makulaödem und Erkrankungen der Netzhautgefäße. Bei einer akuten Sehverschlechterung sollte man rasch einen Augenarzt aufsuchen und nicht bis zum regulären Kontrolltermin warten.
F: Worin unterscheidet sich plötzliches Verschwommensehen von unscharfem Sehen?
A: Unscharfes Sehen bedeutet eine mangelnde Bildschärfe, die sich langsam oder schnell entwickeln kann. Plötzliches Verschwommensehen ist dagegen eine rasche Abnahme des Sehvermögens, die zeitnah abgeklärt werden sollte, um Notfälle auszuschließen.
Krankenhaus mit Expertise in der Behandlung von plötzlichem Verschwommensehen
Das Augen-Zentrum des Bangkok Hospital ist bereit, plötzliches Verschwommensehen und alle Probleme im Zusammenhang mit Augenstörungen zu behandeln – mit spezialisierten, erfahrenen Augenärzten, modernen Instrumenten und Geräten sowie einem interdisziplinären, erfahrenen Team. Es erstellt einen engmaschigen Behandlungs- und Beratungsplan von der Diagnostik über die Therapie bis zur Nachsorge, um sicheres Sehen in jeder Lebensphase zu gewährleisten.
Ärztin mit Expertise in der Betreuung und Behandlung von plötzlichem Verschwommensehen
Dr. Weeraya Pimolrat Fachärztin für Augenheilkunde mit Spezialisierung auf Netzhaut, Glaskörper und immunologische Ophthalmologie, Bangkok Hospital
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