Wenn die Diagnose Harnsteine gestellt wird, lautet eine häufige Frage der Patientinnen und Patienten: „Müssen Steine operiert werden?“ Die Antwort ist: Nicht bei allen ist eine Operation notwendig
Patientinnen und Patienten mit kleinen Steinen haben eine Chance, dass diese von selbst abgehen, und wenn keine Komplikationen vorliegen, kann eine Behandlung durch Beobachtung in Kombination mit Medikamenten und Maßnahmen gemäß ärztlicher Empfehlung möglich sein.
Wenn der Stein hingegen groß ist und nicht von selbst abgehen kann, eine Harnabflussbehinderung verursacht, die Nierenfunktion beeinträchtigt ist oder eine begleitende Infektion vorliegt, kann die Ärztin/der Arzt eine interventionelle Behandlung in Erwägung ziehen, z. B. Steinzertrümmerung, Endoskopie oder eine perkutane Nierenpunktion.
Daher wird die Behandlung von Steinen nicht allein anhand der Steingröße beurteilt, sondern es müssen auch Lage und Beschaffenheit des Steins, Symptome, Nierenfunktion, Allgemeingesundheit und das individuelle Risiko jeder Patientin/jedes Patienten mitbewertet werden.
Was sind Harnsteine?
Harnsteine entstehen, wenn Mineralien oder bestimmte Substanzen im Urin kristallisieren und sich zu einem Stein zusammenlagern. Sie können vom Bereich der Niere über den Harnleiter bis zur Harnblase vorkommen.
Die Symptome können je nach Lage und Größe des Steins variieren, zum Beispiel:
- Schmerzen im Lenden- oder Flankenbereich, insbesondere kolikartige, anfallsweise Schmerzen
- Ausstrahlende Schmerzen in den Unterbauch oder in die Leiste
- Brennen/Schmerzen beim Wasserlassen
- Häufiges Wasserlassen oder Harndrang
- Blut im Urin
- Übelkeit oder Erbrechen
Allerdings können manche Steine auch keine Beschwerden verursachen und zufällig im Rahmen einer Gesundheitsuntersuchung oder bildgebenden Diagnostik entdeckt werden.
Müssen Steine operiert werden?
Steine müssen nicht in jedem Fall operiert werden
Wenn der Stein klein ist und die Chance besteht, dass er von selbst abgeht, kann die Ärztin/der Arzt zunächst eine konservative Behandlung und Verlaufskontrolle wählen.
Wenn der Stein jedoch Merkmale aufweist, die einen spontanen Abgang unwahrscheinlich machen, starke Schmerzen verursacht, den Harntrakt verlegt, die Nierenfunktion beeinträchtigt oder Komplikationen vorliegen, kann die Ärztin/der Arzt eine interventionelle Behandlung in Betracht ziehen.
Die geeignete Behandlung muss daher individuell entschieden werden
1. Konservative Behandlung
Bei Patientinnen und Patienten mit kleinen Steinen und der Möglichkeit eines spontanen Abgangs kann die Ärztin/der Arzt eine konservative Behandlung wählen, die Folgendes umfassen kann:
- Schmerzmittel zur Symptomkontrolle
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr gemäß ärztlicher Empfehlung
- Symptomverlauf beobachten
- Kontrolluntersuchungen zur Beurteilung, ob der Stein bereits abgegangen ist
Bei einigen Patientinnen und Patienten kann die Ärztin/der Arzt eine Medical Expulsive Therapy (MET) in Erwägung ziehen, also den Einsatz von Medikamenten zur Erhöhung der Wahrscheinlichkeit, dass der Stein über den Harnleiter abgeht, insbesondere bei Steinen im unteren Harnleiter und geeigneten Voraussetzungen.
Die Auswahl der Medikamente und die zu trinkende Wassermenge müssen je nach Beschwerden, Steinlage, Nierenfunktion und Begleiterkrankungen der Patientin/des Patienten beurteilt werden; Medikamente sollten nicht ohne Rücksprache mit einer Ärztin/einem Arzt selbst eingenommen werden.
2. Stoßwellenbehandlung (ESWL)
ESWL (Extracorporeal Shock Wave Lithotripsy) ist eine Behandlungsmethode, bei der Stoßwellen von außerhalb des Körpers auf den Stein gerichtet werden, um ihn in kleinere Fragmente zu zertrümmern; anschließend scheidet der Körper die Steinfragmente über den Urin aus.
Der Vorteil ist, dass keine offene Operation mit Schnitt erforderlich ist.
Allerdings ist ESWL nicht für alle Steinarten geeignet; die Wirksamkeit hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel:
- Steingröße
- Steinlage
- Härte oder Zusammensetzung des Steins
- Anatomische Gegebenheiten der Patientin/des Patienten
- Ob die Stoßwellen den Stein erreichen können
Daher müssen bildgebende Befunde und patientenbezogene Faktoren vor der Wahl dieser Methode beurteilt werden.
3. Endoskopie über die Harnwege (URS)
URS (Ureteroskopie) ist eine häufige Behandlungsmethode. Dabei führt die Ärztin/der Arzt ein kleines Endoskop über die Harnröhre und die Harnblase in den Harnleiter ein, um den Stein zu erreichen.
Wird der Stein gefunden, kann er mithilfe eines Lasers in kleinere Stücke zertrümmert werden, und Steinfragmente können je nach Situation entfernt werden.
Vorteile der URS sind:
- Keine offene Operation an der Bauchdecke erforderlich
- Direkter Zugang zu Steinen im Harnleiter
- Bei geeigneten Patientinnen/Patienten können Zertrümmerung und Entfernung der Fragmente in einem Eingriff erfolgen
- In vielen Fällen hohe Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Steinentfernung
Nach dem Eingriff kann die Ärztin/der Arzt je nach Erfordernis vorübergehend eine Double-J-Schiene einlegen.
4. Endoskopische Behandlung von Nierensteinen (RIRS)
RIRS (Retrograde Intrarenal Surgery) ist eine Behandlung von Nierensteinen, bei der ein flexibles Endoskop über die Harnwege bis in die Niere vorgeschoben wird. Anschließend werden die Steine per Laser in kleinere Fragmente zertrümmert und je nach Situation entfernt.
Diese Methode verursacht keine große Operationswunde an der Haut und eignet sich für bestimmte Lagen und Größen von Nierensteinen.
Die Entscheidung für RIRS oder andere Verfahren muss jedoch anhand von Größe, Anzahl, Lage und Beschaffenheit der Steine sowie dem Gesundheitszustand der Patientin/des Patienten getroffen werden.
5. Perkutane Nephrolithotomie (PCNL und Mini-PCNL)
Bei großen Nierensteinen, insbesondere bei Steinen größer als 2 Zentimeter oder bei komplexen Steinen, kann die Ärztin/der Arzt eine PCNL (Percutaneous Nephrolithotomy) erwägen.
Bei dieser Behandlung wird ein kleiner Zugang durch die Haut im Rückenbereich in die Niere angelegt; anschließend werden mithilfe von Endoskop und Instrumenten die Steine zertrümmert und entfernt.
Heute gibt es die Technik Mini-PCNL, bei der bei geeigneten Patientinnen/Patienten ein kleinerer Zugang verwendet wird, was im Vergleich zu größeren Zugängen Gewebetrauma reduzieren und eine schnellere Erholung unterstützen kann.
Die geeignete Methode und die passende Instrumentengröße hängen jedoch von der Steinbeschaffenheit und den individuellen Voraussetzungen der Patientin/des Patienten ab.
Was ist eine Double-J-Schiene und warum wird sie eingelegt?
Double-J-Stent (DJ-Stent) bzw. eine Double-J-Schiene ist ein kleiner Schlauch, den die Ärztin/der Arzt im Harnleiter platziert, um den Urinfluss von der Niere zur Harnblase zu erleichtern.
In bestimmten Fällen kann die Ärztin/der Arzt das Einlegen einer Double-J-Schiene erwägen, z. B. nach einer Steinbehandlung oder bei Schwellung und Verlegung des Harnleiters.
Während eine Double-J-Schiene liegt, können bei manchen Patientinnen/Patienten folgende Beschwerden auftreten:
- Dumpfe Schmerzen im Lenden- oder Flankenbereich
- Häufiges Wasserlassen
- Schmerzen beim Wasserlassen
- Leichte Blutbeimengung im Urin
Diese Beschwerden können bei Trägerinnen/Trägern einer Double-J-Schiene vorkommen. Bei starken, ungewöhnlichen Beschwerden, Fieber, Schüttelfrost, zunehmenden Schmerzen oder deutlich auffälligem Wasserlassen sollte jedoch umgehend eine Ärztin/ein Arzt kontaktiert werden.
Wann gelten Harnsteine als Notfall?
In manchen Fällen können Steine planmäßig beobachtet und behandelt werden, aber Steine, die eine Abflussbehinderung in Kombination mit einer Infektion verursachen, sind ein Zustand, der eine dringende Behandlung erfordert.
Warnzeichen, bei denen man rasch eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen sollte, sind:
- Fieber oder Schüttelfrost zusammen mit Schmerzen im Lenden- oder Flankenbereich
- Starke Schmerzen im Lenden- oder Flankenbereich
- Weniger Urin oder kein Urinabgang
- Ausgeprägte Erschöpfung oder generalisierte Krankheitszeichen
- Bekannte Steinerkrankung mit gleichzeitigen Symptomen einer Harnwegsinfektion
Bei Harnwegsinfektion zusammen mit einer Abflussbehinderung der Harnwege besteht das dringende Ziel darin, den gestauten Urin abzuleiten und die Infektion zu kontrollieren, nicht in jedem Fall sofort den Stein zu entfernen.
Je nach Situation kann die Ärztin/der Arzt eine Double-J-Schiene einlegen oder eine perkutane Ableitung des Urins aus der Niere über die Haut (Percutaneous Nephrostomy; PCN) durchführen.
Nachdem die Infektion kontrolliert ist und sich der Zustand der Patientin/des Patienten gebessert hat, wird die weitere Steinbehandlung im nächsten Schritt geplant.
Vergleichstabelle der Behandlungsmethoden bei Harnsteinen
| Merkmale des Steins oder der Situation | Mögliche Behandlungsstrategie, die die Ärztin/der Arzt erwägen kann |
|---|---|
| Kleiner Stein mit Chance auf spontanen Abgang | Verlaufskontrolle, Schmerzmittel und MET bei geeigneten Patientinnen/Patienten |
| Harnleiterstein | ESWL oder URS je nach Lage und Beschaffenheit des Steins |
| Kleiner bis mittelgroßer Nierenstein | RIRS oder ESWL bei geeigneten Patientinnen/Patienten |
| Großer Nierenstein, insbesondere >2 cm | PCNL oder Mini-PCNL bei geeigneten Patientinnen/Patienten |
| Komplexer Stein | Wahl des Verfahrens je nach Lage, Größe und Struktur des Steins |
| Abflussbehinderung mit Infektion | Dringende Harnableitung mittels DJ-Stent oder PCN vor der Steinbehandlung |
Hinweis: Diese Tabelle enthält allgemeine Informationen und kann keine ärztliche Diagnose oder Therapieentscheidung ersetzen. Die Wahl der Behandlung muss individuell beurteilt werden.
Welche Faktoren nutzt die Ärztin/der Arzt zur Auswahl der Steintherapie?
Bei der Entscheidung, wie ein Stein behandelt werden soll, berücksichtigt die Ärztin/der Arzt in der Regel mehrere Faktoren gemeinsam, darunter:
1. Steingröße
Kleine Steine haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, von selbst abzugehen als große Steine, aber die Größe allein kann die Behandlungsentscheidung nicht bestimmen.
2. Steinlage
Steine in der Niere und Steine im Harnleiter können unterschiedliche Behandlungsmethoden erfordern; auch die genaue Position innerhalb der Niere beeinflusst die Wahl des Verfahrens.
3. Harnabflussbehinderung
Wenn ein Stein den Urinfluss behindert, muss das Ausmaß der Obstruktion und die Auswirkung auf die Niere beurteilt werden.
4. Infektion
Wenn eine Infektion zusammen mit einer Abflussbehinderung vorliegt, ist eine dringende Behandlung erforderlich.
5. Nierenfunktion
Die Ärztin/der Arzt beurteilt die Nierenfunktion und die Auswirkungen des Steins, insbesondere bei Personen mit nur einer Niere oder mit begleitenden Nierenerkrankungen.
6. Gesundheitszustand und Begleiterkrankungen
Vorerkrankungen, aktuell eingenommene Medikamente, Behandlungsvorgeschichte und Risiken der Eingriffe beeinflussen die Wahl der Behandlung.
Kann ein Stein nach der Behandlung erneut auftreten?
Ein erneutes Auftreten von Steinen ist möglich
Eine erfolgreiche Steinentfernung bedeutet nicht, dass in Zukunft keine Steine mehr entstehen. Personen, die bereits Steine hatten, sollten daher Empfehlungen zur Vorbeugung von Rezidiven erhalten, z. B. angemessene Flüssigkeitszufuhr, Anpassung der Ernährungsgewohnheiten und Bewertung individueller Risikofaktoren.
Bei wiederkehrenden Steinen kann die Ärztin/der Arzt zusätzliche Untersuchungen erwägen, um die Steinart und auslösende Faktoren zu beurteilen und eine geeignete Präventionsstrategie zu planen.
Zusammenfassung: Harnsteine erfordern nicht bei allen eine Operation
Für die Behandlung von Harnsteinen gibt es mehrere Optionen: von konservativer Behandlung, medikamentöser Therapie und Stoßwellenbehandlung ESWL über endoskopische Verfahren URS oder RIRS bis hin zur perkutanen Entfernung aus der Niere mittels PCNL oder Mini-PCNL.
Entscheidend ist: Es gibt keine Methode, die für alle Patientinnen und Patienten geeignet ist.
Die Ärztin/der Arzt berücksichtigt Größe, Lage und Beschaffenheit des Steins sowie Symptome, Abflussbehinderung, Infektion, Nierenfunktion und Allgemeinzustand, um die am besten geeignete und sicherste Behandlung auszuwählen.
Bei starken Lenden- oder Flankenschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, auffälligem Wasserlassen oder Verdacht auf Harnsteine sollte eine Abklärung erfolgen, um die Ursache zu beurteilen und gemeinsam mit der Ärztin/dem Arzt einen Behandlungsplan zu erstellen.
Eine erfolgreiche Steinbehandlung ist nicht das Ende, denn Steine können erneut auftreten. Prävention und eine angemessene Gesundheitsvorsorge sind daher ebenso wichtig wie die Behandlung






