Derzeit treten wir in eine alternde Gesellschaft ein, in der die Lebenserwartung der Bevölkerung gestiegen ist im Vergleich zu früher. Dies ist das Ergebnis der Entwicklung von Wissen und medizinischer Technologie, die eine bessere Diagnose und Behandlung von Krankheiten ermöglicht hat. Allerdings können wir, obwohl wir länger leben, den körperlichen Verfall nicht aufhalten. Eine der unvermeidlichen degenerativen Erkrankungen ist die Demenz, zu der es viele Forschungen gibt, die versuchen, den geistigen Verfall zu verlangsamen, sei es durch körperliche Übungen, Ernährung oder Gedächtnistraining. Eine Forschung aus den USA Anfang 2020 hat Informationen über das Verständnis und die Wahrnehmung von Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln, die sich auf die Gesundheit des Gehirns auswirken, zusammengestellt, um zu überprüfen, ob die Allgemeinheit weiß, welchen positiven oder negativen Einfluss diese Nahrungsergänzungsmittel haben. In der Umfrage wurden häufig verwendete Produkte ausgewählt, darunter Vitamin E, Ginkgo biloba, Östrogen, Lebertran, Statine und Schlaftabletten. Schockierenderweise wussten mehr als die Hälfte (46-64%) nicht, ob diese Nahrungsergänzungsmittel gut für das Gehirn sind, und erschreckend ist, dass 63-77% nicht wussten, ob sie schädlich sind, obwohl 68% der Befragten über einen höheren Bildungsabschluss als einen Bachelor-Abschluss verfügen. Daher sollten alle darauf achten, wie häufig verwendete Nahrungsergänzungsmittel sich auf die Gesundheit des Gehirns auswirken und auch das Gehirn richtig pflegen.
Nahrungsergänzungsmittel und das Gehirn
Supplements, die allgemein als vorteilhaft für das Gehirn angesehen werden, umfassen Vitamin E, Ginkgo biloba, Lebertran und Vitamin D. Ein Überprüfung von Forschungsarbeiten und Artikeln zeigt, dass es relativ klare Beweise dafür gibt, dass Vitamin E nicht zur Vorbeugung von Demenz oder Gedächtnisverlust beiträgt. Im Hinblick auf Lebertran, Ginkgo, Vitamin B und Vitamin D gibt es nicht viele Daten, aber es deutet darauf hin, dass auch sie nicht zur Vorbeugung von Demenz beitragen.
Lediglich die Einnahme von Vitamin B12 in Kombination mit Folsäure wurde als möglicherweise hilfreich bei der Gedächtnisverbesserung identifiziert. Allerdings ist dieses Ergebnis klinisch nicht signifikant. Arzneimittel zur Förderung der Gehirnaktivität, wie zum Beispiel Östrogen, Diabetes-Medikamente, Blutdruck-, Lipid- oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs), haben wenig Forschung, die den Effekt auf die Prävention von Demenz untersucht. Die vorhandenen Daten deuten jedoch darauf hin, dass sie nicht vorbeugend wirken.
Zudem können einige unnotwendige Medikamente gefährliche Nebenwirkungen haben, darunter Schlaganfälle, Herzerkrankungen, Brustkrebs oder Lungenembolien. Daher zeigt sich, dass der Nutzen der Medikamente bei der Vorbeugung von Demenz oder geistigem Verfall noch nicht ausreichend geklärt ist, während es Möglichkeiten für schädliche Nebenwirkungen gibt. Medikamenteneinnahme sollte immer gemäß der Indikation und unter ärztlicher Beratung erfolgen, um Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden.
Ebenfalls zeigen die Daten zu Nahrungsergänzungsmitteln zur Demenzprävention die gleiche Unsicherheit über den Nutzen. Ein Vorteil solcher Präparate ist jedoch, dass keine ernsthaften oder gefährlichen Nebenwirkungen berichtet wurden. Das Fehlen eines belegbaren Nutzens könnte in Forschungsmethoden begründet sein, wie Unterschiede in den verwendeten Supplements, Marken, Probandengruppen und genetischen Unterschieden. Daher könnte es bei einigen Konsumenten sowohl vorteilhafte als auch nachteilige Effekte geben.
Medikamente und das Gehirn
Im Hinblick auf Medikamente, die sich negativ auf das Gehirn auswirken, stimmen die Daten weitgehend darin überein, dass anticholinerge Mittel (Anticholinergika) das Gehirn signifikant schädigen und dessen Funktion verringern können. Frühere Studien zu Benzodiazepinen ergaben, dass Menschen, die diese Schlafmittel einnehmen, ein erhöhtes Risiko für geistigen Verfall haben. Dieses Risiko verringert sich jedoch nach Absetzen der Medikamente.
Neuere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Risiko vielleicht nicht so deutlich ist, wie bisher angenommen. Unterschiede in kognitiven Tests, Schlaftabletten-Typen, Populationsgrößen und Nachbeobachtungszeiträumen erschweren abschließende Aussagen darüber, ob Benzodiazepine die Gehirnfunktion beeinträchtigen. Gesamtstudien deuten allerdings auf negative Auswirkungen auf das Gehirn hin. Zudem erhöhen diese Medikamente auch das Sturz- und Knochenbruchrisiko, besonders bei älteren Menschen, so dass besondere Vorsicht geboten ist.
Zusammenfassend ist die Beweislage zu Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten für das Gehirn nicht eindeutig, einige Medikamente haben jedoch negative Effekte auf das Gehirn.

Richtlinien zur Gehirnpflege und Altersverzögerung
Eine Veröffentlichung im Lancet 2020 zum Thema Vorbeugung von Hirnabbau nennt zwei Prinzipien.
- Vermeidung von Kopfverletzungen und Reduzierung der Luftverschmutzung
Um Verletzungen und Entzündungen des Gehirns zu vermindern, sollte man chronische Krankheiten wie Diabetes, Lipide, Bluthochdruck kontrollieren und ein BMI von weniger als 25 anstreben. Rauchen wird gemieden, um Schlaganfälle und weitere Gehirnverletzungen zu verhindern. Wichtig ist auch, den Kontakt mit Luftverschmutzung zu vermeiden, da das auch Gehirnzellen schädigt. - Steigerung der Gehirnkapazität
Es gibt viele Methoden zur Steigerung der Gehirnkapazität wie soziale Interaktion, regelmäßige Aerobic-Übungen und kognitives Training durch Lesen, Rechnen oder Lernen neuer Fähigkeiten. Einige Studien stützen diese Methoden zur Verzögerung und Prävention von Hirnabfall. Besonders das Training hat keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und könnte sogar anderen Körpersystemen zugute kommen. Bei Hörproblemen sollte eine rasche Diagnose und Behandlung folgen, da Hörverlust ein weiterer Risikofaktor für Demenz ist.
Mediterrane Diät und das Gehirn
Der Konsum einer mediterranen Diät soll Entzündungen im Körper und Gehirn reduzieren. Ein im April 2020 im Journal Alzheimer’s & Dementia veröffentlichter Artikel, stützt frühere Studien, die zeigen, dass diese Ernährung das Risiko von Gehirnabbau senkt. Insbesondere Fisch in der mediterranen Diät zeigt positive Effekte gegen Hirnabfall.
Alkohol und das Gehirn
Im Hinblick auf Alkohol und die Gehirngesundheit zeigt die Forschung, dass der Konsum direkt mit der Verschlechterung der Gehirnfunktion zusammenhängt. Menschen, die mittel bis stark trinken (mehr als 8 Drinks/Woche), zeigen eine höhere Abnahme der Gehirnleistung, aber ein geringer Konsum (weniger als 4 Drinks/Woche) hat keinen Einfluss auf den Schutz vor Demenz, jedoch auf die Herzgesundheit.
Wichtigerweise zeigt Forschung, dass Menschen, die ihren Konsum von großen Mengen auf geringe reduzieren, eine bessere Gehirnleistung zeigen als die, die den Konsum nicht reduzieren. Menschen, die nicht trinken, sollten nicht neu anfangen. Häufiger Konsum sollte jedoch so weit wie möglich gesenkt werden. 1 Drink: ca. 360 ml Bier bei 4 – 5% Alkohol, 150 ml Wein bei 12% oder 45 ml Spirituosen/Whiskey bei 40%.
Diät, Medikamente oder kognitive Übungen alleine sind möglicherweise unzureichend, um Hirnabfall zu verlangsamen. Forschungen nutzen oft kombinierte Ansätze: Ernährung, Bewegung, kognitives Training und vaskuläres Risikomanagement (Diabetes, Blutdruck). Ergebnisse zeigen, dass die Kombination dem Gehirnabbau entgegenwirken kann.
Zusammengefasst, gesunde Gehirnpflege besteht darin, das Gehirn nicht zu verletzen und stetig dessen Kapazität zu erhöhen. Das heißt, Medikamente, die Hirnleistung mindern vermeiden, Erkrankungen kontrollieren, Übergewicht reduzieren, Rauchen aufgeben, soziale Interaktion pflegen, Gehör pflegen, Ernährung ausgewogen gestalten (z.B. mediterrane Küche) und regelmäßig Aerobic (3-5 Mal/Woche) ausüben. So bleibt das Gehirn gesund und altert nicht vorzeitig.
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